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Die Deutsche Eiche - Schwule Geschichte in der Isarvorstadt: Über schwule Geschichte zu schreiben ist schwierig, da es den Begriff schwul" noch gar nicht so lang gibt. Wir wissen von problemlosem Umgang mit Homosexualität bei den Griechen und den Römern. Allerdings wissen wir auch vom unseligen Umgang mit diesem Thema durch die katholische Kirche und die Nationalsozialisten. Insofern war 1813 ein wichtiges Jahr für dieses Thema. Die Franzosen hatten die Aufklärung nach München gebracht und somit die Entmachtung der Kirche. Die neuen Gesetze sahen keine Regelungen für Unzucht unter Männern" mehr vor. Dass König Ludwig II. homosexuell war, scheint heute fast gewiss. Leider brauchte er für seine Schlösser das Geld Bismarcks und gab dafür die Selbständigkeit Bayerns auf. Fortan galt auch in Bayern das preußische Recht, und das brachte den § 175 und somit die Strafbarkeit für homosexuelle Praktiken. Über Karl- Heinrich Ulrichs muss ein eigenes Kapitel geschrieben werden. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es auch in München eine Bohème, die es mit den sittlichen Gesetzen nicht so genau nahm. Doch unter Hitler kam es dann zur Hinrichtung Röhms und dann zur offiziellen Verschärfung des § 175. Nach dem II. Weltkrieg wurde der verschärfte § zunächst einfach fortgesetzt und wurde erst in den 70 er Jahren entschärft, abgeschafft erst nach der Wiedervereinigung, weil es den Paragrafen in der DDR schon nicht mehr gab. München Das schwule Leben nach dem Krieg spielte sich vor allem in der Altstadt ab. Es gab die Sansibar" in der Herrnstraße, das Petit Cafe" in der Marienstraße, aber auch schon die Deutsche Eiche" in der Reichenbachstraße, wo sich vor allem die Künstler des Gärtnerplatztheaters und der Staatsoper, aber auch der Kammerspiele trafen. Das Ali Baba" in der Augsburger Str. (heute Cook) war die erste schwule Männer-Disko. Dafür musste der Besitzer (Nikolaus Holzapfel, Vater des Verfassers) 1965 noch vor Gericht kämpfen (Anwalt Bossi). Später war die angesagteste Disko dann wiederum in der Herrnstr. 30: das Jeans". Erst Anfang der 80er Jahre wanderte dann die Szene ganz ins Gärtnerplatzviertel über, nachdem mit dem New York", Thalkirchner Str. 1, eine neue große Männerdisko entstanden war. (Heute gibt es diesen Disko-Namen immer noch in der Sonnenstraße). Fortan entwickelte sich die Gegend zwischen Gärtnerplatz und Müllerstraße, wo exemplarisch aus dem alten Ochsengarten" erst ein Laden wurde, wo amerikanische Soldaten mit Frauen verwöhnt wurden, dann aber die harten Ledermänner das Sagen hatten - wohlgemerkt unter gleicher Führung einer Frau, der Gustl, die 2005 gestorben ist. Das Viertel ist erst heute zwar sehr begehrt, aber von Beginn an war das Gärtnerplatzviertel eher schlecht beleumundet, als Verbindung zu den Tagelöhnervierteln Au und Giesing. Die Wohnhäuser waren auch eher billig hochgezogen, ohne Bad, eigenes WC etc. Die ersten Bewohner mussten die Wohnungen trocken wohnen. Zur Aufwertung des Viertels baute man das Gärtnerplatztheater, erst einmal eine völlig erfolglose Einrichtung. In der Deutschen Eiche" aber waren die Tänzer des Gärtnerplatztheaters von Anfang an Stammgäste, und das in einem Frauenhaus, von Frauen der Familie Reichenbach" am Ende in vierter Generation geführt. Ein und aus gingen Künstler von überall, ein heutiger Weltstar wie Donna Summer wohnte dort im 4. Stock und war froh für die tägliche Suppe. Später verliebte sich der Filmemacher Rainer-Werner Fassbinder in den Schankkellner der Eiche". Fortan wurden alle Bergfeste" dort gefeiert, auch Filme wie Lola" oder Satansbraten" spielten z.T. hier. Auch Freddy Mercury weilte hier oft, aber da gab es auch schon das legendäre Mrs. Hendersen, Ecke Rumford/Müllerstraße, wo er seinen legendären 40. Geburtstag feierte, und dann davon letztendlich wegen Vollrausches wenig mitbekam. Die Szene drohte auszudorren, als Peter Gauweiler als Kreisverwaltungsreferent, AIDS-infizierte Schwule kasernieren wollte, ein Ansinnen, das es heute noch vielen Schwulen in Deutschland schaudern lässt. Die jüngere Geschichte der schwullesbischen Szene ist geprägt von Thomas Niederbühl, als Stadtrat der Rosa Liste, der in Europa einzigen schwullesbischen Wählerinitiative mit Mandatsträgern. Thomas hilft der Community, ihre Belange durchzusetzen. Z.B. wurde am Sendlinger Tor-Platz zum Gedenken an die an AIDS Gestorbenen und deren Angehörigen eine Säule der U-Bahn sozusagen an die Oberfläche gehoben, damit das Thema an die Oberfläche kommt. Heute erfreut sich die Szene großer Unterstützung durch den OB, der die CSD- Parade durch das Viertel immer anführt und am Marienplatz deutliche, solidarische Worte findet. Die Gemeinde selbst muss schauen, dass sie nicht verdrängt wird, weil das Viertel immer teurer wird. Nach wie vor ist die Deutsche Eiche" aber Meeting Point, weil sie immer bei Veranstaltungen dabei ist, diese sogar oft mitgestaltet. So wurde der am 1.5.08 aufgestellte IntegrationsMaibaum" von der Deutschen Eiche" geschlagen, entrindet, gehobelt und geschliffen" - ein neuer Event ist geboren ( Karl- Heinrich-Ulrichsplatz). Gar nicht stolz sind übrigens die Besitzer der Deutschen Eiche, dass auch Hitler wohl Stammgast in den Jahren 1921 bis 1923 war, als in der nahen Corneliusstr. 12 die Parteizentrale der NSDAP angesiedelt war. Er soll ja auch einen Bezug" zum männlichen Personal, vor allem zu den Tänzern des Gärtnerplatztheaters gehabt haben. (Vgl. Homo Hitler") Heute sind andere Namen gefragt. Jean-Paul Gaultier war mit Leibwächtern in der Sauna der Deutschen Eiche", genauso aber auch Günther Grass im Hotel - und das zeigt den Wandel des Viertels: Es gibt kaum mehr rein homo- oder heterosexuelle Orte, man kann sich mittlerweile überall ganz offen zeigen, und das ist gut so. Zugleich stirbt aber etwas, was einmal schwullesbische Subkultur war. Trotzdem: In keinem anderen Viertel gibt es so viele erfolgreiche Straßenfeste, vor allem wenn sie aus der schwullesbischen Szene stammen. (Quelle: Text zur Entwicklung der schwullesbischen Szene in München von Dietmar Holzapfel, 2009) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||